Feminismus & "Skeptizismus"

Diesen Text, den ich eigentlich schon vor acht Monaten geschrieben habe, fand ich in meinen Wattpad-Entwürfen wieder und er hatte einen anderen Titel. Bei diesem hier habe ich das zweite Wort in Anführungsstriche gesetzt, weil man es, je nachdem, was man damit assoziiert, unterschiedlich verstehen kann.

 

Normalerweise handelt es sich um einen philosophischen Begriff, der für das Zweifeln - also das kritische Denken - steht, aber es geht nicht darum, einfach alles aus Prinzip zu hinterfragen, Hauptsache man hat es und kann sich als "kritische Person" bezeichnen, sondern man muss auch ehrlich an der Wahrheit interessiert sein, weshalb auf intellektuelle Aufrichtigkeit, richtige Quellen, logische Fehlschlüsse und vieles mehr, geachtet werden MUSS; das heißt, es gibt sozusagen gewisse "Regeln".

 

Ich würde zwischen zwei Sorten unterscheiden:

  1. Es gibt einmal den "soften" Skeptizismus, bei dem es nur heißt, dass die Gewissheit unmöglich ist. Mann kann zwar nichts mit Sicherheit wissen, aber man kann einschätzen, wie wahrscheinlich etwas ist. Wenn eine These viel wahrscheinlicher ist als ihre Verneinung, so ist es nicht absurd, sie für wahr zu halten - das tut man aber mit einem gewissen Grad an Vorsicht, da es immer einen gewissen Grad an Ungewissheit gibt.
  2. Es gibt auch den Skeptizismus in "hardcore", den gab es aber eher nur in der Antike (siehe Pyrrhon), wo nicht nur die Gewissheit unmöglich ist, sondern es ist auch unmöglich, überhaupt etwas zu wissen.

    Man könnte sich fragen, wie man eine solche Position rechtfertigen könnte. Tatsächlich steckt eine logische Begründung dahinter:

        

 

Damit man behaupten kann, etwas zu wissen, braucht man eine Begründung - ansonsten handelt es sich nur um ein Vorurteil, das sich als wahr herausstellt.

 

Stellt man eine Behauptung auf ("Ich weiß, dass A."), so fragt man sich als skeptische Person, ob man sie begründen kann ("Kann ich A begründen?").

"Ja!", denn es wäre ansonsten, wie gesagt, ein Vorurteil.  "Ja, ich weiß, dass A, weil B.", da A mindestens eine Prämisse braucht.

 

Aber... Weiß ich, dass B? Wenn ich verneine, kann ich A damit dann nicht rechtfertigen, denn A kann kein Wissen sein, wenn B es nicht auch ist.

B muss jedoch auch begründet werden, nämlich durch C. Weiß ich, dass C?

 

Man sieht, es bildet sich eine "Rechtfertigungskette". Diese kann nur drei Strukturen haben:

  1.  Die Kette ist unendlich. A➔B➔C➔D➔E➔...
  2. Die Kette bildet einen Kreis. A➔B➔A (z.B. "Unsere Eltern haben Recht", "Warum?", "Das haben unsere Eltern gesagt!"; oder auch: A➔B➔C➔D➔E➔C
  3. Die Kette hat ein Ende. A➔B➔C

Das Problem an der letzten Struktur ist, dass Behauptungen, die nicht gerechtfertigt werden können, nicht als Wissen gelten.

 

Das alles aber nur in der Theorie, denn in der Realität reicht uns für die Behauptung, "Michael Jackson ist tot" die Begründung, dass wir uns daran erinnern, wie in den Medien darüber berichtet wurde. Man braucht, wenn man sich weh getan hat, auch keine Argumente dafür, man WEIß es einfach.

Das nennt man "erkenntnistheoretischer Fundamentalismus"... könnt ihr googeln :)

 

Tatsächlich rede ich hier aber eher nicht von diesem Skeptizismus. Nein, es geht überhaupt nicht in die Richtung von solchen Bewegungen wie der Klimaskeptizismus, sondern um die sogenannte "Skeptiker"-Community, von der ich vorallem durch YouTuber etwas mitbekommen habe.

Hauptsächlich geht es ihnen um den Islam oder Religionen allgemein (aus einer antitheistischen Perspektive), Verschwörungstheorien (hier scheint die "Flat Earth"-Theorie besonders beliebt zu sein) und "Social Justice Warriors", also auch um Feminismus.

 

Im deutschsprachigen Raum sind es größtenteils eher kleine Kanäle, aber Beispiele, die vielen bekannt sein dürften, wären "DerDoktorant", der sich nicht nur selbst als Skeptiker bezeichnet, sondern sogar zwei Videos zu diesem Thema hochgeladen hat (eins namens "Scheinargumente und Fehlschlüsse", wo eine antike Statue auf dem Thumbnail zu sehen ist, sowie eins über die "Quellenrecherche"), und "Die Vulgäre Analyse", der, wenn ich mich nicht täusche, keinen richtigen Kanal mehr hat, dafür einen Discord, der "Neoskeptische deutsche Atheistenpartei" benannt wurde.

 

Selbstverständlich werde ich keine ganze Analyse zu diesen YouTubern schreiben (und während ich das hier schreibe, ist sogar die nice Doku "Lösch dich!" auf Rayk Anders Kanal hochgeladen worden), sondern es geht mir jetzt nur darum, dass sie sich, sowie ihre Zuschauer-innen, von Skeptizismus-Methoden bedienen. Wie oft wurde mir von ihnen die "Strohmann-Rhetorik" vorgeworfen oder wie oft habe ich gelesen, dass "Mansplaining" ein "ad hominem gegen Männer" sei?

 

Dazu werde ich später noch kommen, aber zuerst: 

Skeptizismus halte ich für GUT und NOTWENDIG. Es kann in allen Lebensbereichen helfen, ob in der Wissenschaft oder bei persönlichen Angelegenheiten, Probleme besser zu verstehen, besser zu kommunizieren und seine Überzeugungen zu hinterfragen.

Aus diesem Grund können viele Werkzeuge aus dem Skeptizismus dem Feminismus nützlich sein. Das Entdecken der kognitiven Verzerrungen und der verschiedenen Sophismen kann helfen, herauszufinden, was häufig hinter einem sexistischen oder pseudo-egalitären Diskurs steckt.

 

Die Leute, die ich vorhin erwähnt habe, verwenden also einerseits solche Werkzeuge, sind andererseits aber antifeministisch. Also nicht sexistisch, sondern antifeministisch, was zeigt, dass sie davon wissen, dass es eine Entscheidung gibt und dass sie sich bewusst dazu entschlossen haben, Feminismus abzulehnen.

 

Als Person, die sowohl Feminismus, als auch Skeptizismus wichtig findet, stellt man sich diese Fragen:

 

Sind sie heuchlerisch? Oder bin ich das? Gibt es tatsächlich ein Problem mit Feminismus, das gleich die ganze Bewegung für ungültig erklärt? Wenn sich tatsächlich beide Milieus widersprechen, ist alles, was dem Skeptizismus nicht stand hält, abzulehnen? (Die allgemeingültige Antwort ist tatsächlich Nein, allerdings halte ich von Dingen wie Religion auch nichts, weshalb - für mich persönlich - die Antwort doch Ja lautet.)

 

Ehrlich gesagt habe ich diese Fragen mittlerweile nicht mehr. Wie gesagt habe ich viel aus diesem Text bereits vor Monaten geschrieben und da war es ein bisschen anders. Ich habe den Eindruck, dass viele eindeutig radikaler geworden sind, sodass das Verkehrte in ihren Videos (oder was auch immer ihr Content ist) also deutlich erkennbarer geworden ist. Früher haben sich viel mehr von ihnen überzeugen lassen, heute habe ich den Eindruck, dass mehr Gegenwind ist.

 

Mittlerweile erscheint es mir als selbstverständlich, dass beide Bewegungen kompatibel sind... wenn man differenzieren kann! Und wie schon erklärt, kann Skeptizismus dem Feminismus helfen - aber auch umgekehrt, weil es hilft, mehr Lösungsmöglichkeiten zu finden.

 

Nehmen wir an, für ein Experiment müssen Neugeborene beschrieben werden. Die Beobachtung ist folgend:

 

« Mädchen werden als "nervös und unruhig" beschrieben, Jungs "munter und lebhaft". »

 

Dazu könnte eine Person, die mit Feminismus und Soziologie nichts am Hut hat, aus diesem Ergebnis schlussfolgern, dass die Aussage "Jungs und Mädchen sind verschieden, das ist biologisch, weil sie schon so sind, wenn sie geboren werden (die Unterschiede sind angeboren)" bestätigt wurde.

 

Dagegen würde sich jemand, der sich mit Feminismus befasst hat, direkt entgegnen oder anmerken, dass es auch die Antithese bestätigen könnte: "Das hat nichts mit Biologie zu tun - sonden mit der Sozialisation: Ist ein Mädchen aktiv, was ihrer gesellschaftlichen Rolle eher nicht entspricht, wird sie als negativ empfunden und mit negativen Adjektiven beschrieben. Verhält sich ein Junge genau so, wird er von anderen unbewusst anders wahrgenommen und somit anders beschrieben."

 

Man kann sich aber denken, dass jemand, der eine bereits negative Meinung über Feminismus hat, diese Information nicht in Betracht ziehen wollen wird.

 

Auch wenn es im Skeptizismus eben darum geht, zu lernen, seine vorgefertigten Meinungen auszublenden und es sogar einen Namen für diese Situation gibt (den Bestätigungsfehler), wird es kein Mensch vollständig schaffen und es gibt natürlich diejenigen, die glauben, sie hätten es, obwohl sie nur stur geblieben sind - was sie aber nicht daran hindert, sich für viel rationaler und somit überlegener als alle anderen zu fühlen, was man an ihrer Ausdrucksweise merkt.

 

Wenn ihnen erst gar nicht in den Sinn gekommen ist, dass es auch das Gegenteil von dem, was sie zu beweisen glauben, bestätigen kann, so kann es dazu kommen, dass sie in einer Diskussion im Internet dieses Experiment Feminist-inn-en schicken und es nicht verstehen (wollen), wenn ihnen geantwortet wird, dass sie damit dem Gegenüber eigentlich Recht geben.

 

Das gibt es oft! Auf Wattpad hatte ich schon mal zwei Beispiele dafür gegeben:

  1. Zu den zwei gegensätzlichen Äußerungen "Queer zu sein ist eine psychische Krankheit, ich bin also Anti-LGBT" und "LGBT-Feindlichkeit ist schädlich, hört damit auf" werden die gleichen Studien herangezogen und alle glauben, ihre Position sei wissenschaftlich untermauert - es geht um die Studien, die besagen, dass Mitglieder der LGBT-Community öfter Suizid begehen.

  2. "Frauen verdienen weniger als Männer": Das zeigt uns die Statistik. In sehr kurz zusammengefasst sagen die einen, "Frauen und Männer entscheiden sich für unterschiedliche Berufe - das ist biologisch begründet und kann also nicht geändert werden. Auch arbeiten Frauen öfter in Teilzeit, weil sie sich um die Kinder kümmern müssen, was ihre biologische Aufgabe ist. Also verdienen Frauen nicht wirklich weniger als Männer. Alles ist gut, wie es ist", und die anderen "Frauen und Männer entscheiden sich für unterschiedliche Berufe, was an ihrer unterschiedlichen Erziehung liegt und manchmal ist es aufgrund der gesellschaftlichen Normen eben doch keine richtige bis gar keine Entscheidung. Dass Frauen öfter teilzeit arbeiten, um sich um ihre Kinder zu kümmern, liegt ebenfalls an ihrer Geschlechtsrolle und die damit verbundenen Erwartungen an sie.".

 

Mir fallen auch Beispiele ein, die nichts mehr mit Feminismus zu tun haben. Auch da wäre immer die Frage, ob die Ursachen biologisch oder kulturell / psychologisch sind. Statistiken geben lediglich eine Bestandsaufnahme wieder, erforschen aber keine Ursachen und Umstände.

Diese Communitys ignorieren Psychologie und Soziologie komplett (z.B. verstehen sie nicht, wieso Sprache unser Denken beeinflusst, warum Repräsentation wichtig ist, was mit Männlichkeit und Weiblichkeit gemeint ist, wenn wir doch sagen, dass diese Eigenschaften bei allen vorkommen können, usw.), AUßER es passt ihnen:

 

Werden Frauen benachteiligt, liegt es an der Natur, der Genetik und nicht an den gesellschaftlichen Strukturen. Stehen Männer in einer Statistik schlechter da (z.B. Männer haben eine geringere Lebenserwartung), dann sollten sich Feminist-inn-en darum kümmern - wenn ihnen gerade nicht vorgeworfen wurde, sie seien an diesen Tatsachen Schuld.

 

Die Begründung durch die Biologie gefällt ihnen so sehr, weil sie damit sagen können, "das ist die Natur, also erwartet nicht von mir, dass ich mich ändere".

Aber seien wir ehrlich: Biologische Fakten interessieren sie auch nicht wirklich. Deshalb verweisen sie auch immer auf Biologieunterricht (und jedesmal, wenn sie mich zynisch fragen, ob ich da nicht aufgepasst habe, muss ich lachen, da Biologie, abgesehen von Französisch, mein bestes Fach war). Auch sehr lustig ist die Tatsache, dass sie sich auch Fragen, wie "bist du nicht in der Lage zu hinterfragen, was dir in der Schule gesagt wurde oder was?" erlauben, wenn die Information ihnen gerade nicht passt.

      

 

Ein "Problem", wenn man es so nennen kann, ist dass Berichte im Skeptizismus nicht als gute bis gar keine Beweise gelten, da sie subjektiv sind:

Die Person kann sich irren, das, was sie gesehen hat, falsch interpretiert haben oder sich nicht gut daran erinnern. Auch kann sie mehrere Geschehnisse verwechseln und von Diskussionen nach dem Vorfall oder von unseren Fragen beeinflusst werden. Nicht zu vergessen, dass Menschen auch lügen können.

 

Im Feminismus sind Berichte hingegen von großer Bedeutung, was zunächst vielleicht als Widerspruch erscheint, allerdings vergessen Antifeminist-inn-en dabei diese zwei Punkte:

  1. Es handelt sich nicht um einen einzigen Bericht, sondern um ganz viele, sodass Gemeinsamkeiten festgestellt werden können, da sich, egal woher die Personen kommen, die Dinge wiederholen - und die sollte man sich merken.
    Zu behaupten, dass ALLE lügen, wäre eher die Behauptung, die bewiesen werden müsste.

    "Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnlich starke Beweise." Dieses Zitat von Carl Sagan ist ein wichtiges Prinzip; damit ist gemeint, dass wenn dir ein Freund sagt, er habe eine Katze, dann brauchst du keine Beweise dafür, um ihm zu glauben. Wenn er jedoch behauptet, sie könne sprechen, dann schon. Dass alle lügen, wäre außergewöhnlich.
    Ich leugne nicht, dass eine einzelne Person lügen kann, aber sie sagt nichts Außergewöhnliches, weil sie das gleiche wiederholt, was viele andere davor auch schon gesagt haben.
  2. Wir sind Menschen und brauchen nicht für alles Beweise (eigentlich ist es das gleiche, was ich gerade und ganz am Anfang mit dem "erkenntnistheoretischen Fundamentalismus" gemeint habe). Für Gefühle, die man hat, braucht man beispielsweise keine Beweise (man denke hier an die Transpersonen, von denen eine Argumentation für ihr Empfinden verlangt wurde). Wenn es wirklich das Vernünftige wäre, die Gesamtheit aller Berichte "neutral" (was meiner Meinung nach in so einem Fall auch nicht möglich ist, weil man sich auf die Seite der Täter-inne-n stellt) eingestellt zu sein, dann könnten Opfer von allen möglichen Taten ihre Erfahrungen ja nicht mehr der Öffentlichkeit erzählen.

Natürlich werden Berichte von Skeptiker-inne-n normalerweise nicht einfach so empathielos ignoriert, aber speziell diese Menschen, worum es in diesem Text geht, nutzen das einfach aus, indem sie Carl Sagans Zitat ignorieren. 

 

So hören sie Menschen nicht zu, wenn sie von ihren Erfahrungen und ihrem Empfinden erzählen, weil sie keine Beweise haben. Selbstverständlich gefällt ihnen diese Taktik am meisten, wenn sie selbst diese Erfahrungen nicht gemacht haben und ihr Empfinden über das Thema ganz anders ist.

      

 

Folgende Beispiele sind vereinfacht und überspitzt dargestellt, aber ich habe sie nicht erfunden:

 

A: Mir hat schon mal jemand das angetan.

B: Quelle?

 

A: Mädchen werden so erzogen, Jungs so.

B: Quelle?

 

A: Ich bin trans, weil ich es so fühle.

B: Quelle?

 

A: Diese Menschen müssen mit diesem Problem klarkommen.

B: Quelle?

 

Auch bei anderen naheliegenden Themen ist es schon unfassbar, dass solche Gespräche zustande kommen können:

 

A: Kuhmilch ist für Kälber.
B: Quelle?

 

A: Tiere sind keine Objekte.

B: Quelle?

Diese Kommentare waren unter einem Wattpad-Buch über Veganismus (nicht meins); kleiner Funfact: Als sie noch angemeldet war, hatte diese Person ein Hakenkreuz als Profilbild, auch war im     Nicknamen eine Zahl enthalten im Bezug zum Nationalsozialismus.
Diese Kommentare waren unter einem Wattpad-Buch über Veganismus (nicht meins); kleiner Funfact: Als sie noch angemeldet war, hatte diese Person ein Hakenkreuz als Profilbild, auch war im     Nicknamen eine Zahl enthalten im Bezug zum Nationalsozialismus.

 

Nach Quellen zu fragen ist an sich etwas Vernünftiges, denn bevor man etwas verbreitet, ist es optimal, wenn man die Information überprüft hat; häufig wird es aber in völlig absurden Situationen verlangt.

 

Abgesehen davon finde ich es auch nervig, dass direkt nach Quellen verlangt wird, sobald du eine Zahl nennst, und diese Zahl einfach überall wiederholt wird oder das, was man von ihr entnehmen soll, nichts Außergewöhnliches ist. 

Auch reicht es den Leuten nie, wenn man ihnen sagt, sie können googlen, weil die Zahlen sehr leicht zu finden sind. Sie machen es einfach nicht. Interessiert man sich aber ehrlich für ein Thema, denke ich, dass man sich dafür die Mühe machen kann. Stattdessen bin ich dann argumentlos, als würde ich das ganze erklären, weil ich mich selbst beweisen will - als sei das alles ein Spiel, wo man gewinnen müsse.

 

"Was ohne Beweise behauptet wird, kann ohne Beweise abgelehnt werden."

"Die Beweislast hat derjenige, der die Behauptung aufstellt."

 

An sich stimme ich zu, ist es aber nicht auch ein logischer Fehlschluss, auszugehen, dass eine Person Unrecht hat, weil sie keine Quellen oder überhaupt eine Erklärung abliefert? Doch.

 

Seltsam finde ich auch, dass sie sich diese Taktik nicht zunutze machen: 

Wenn ich selbst google, weiß ich wenigstens, was in der Suche eingeben wurde und ich weiß auch, ob Ergebnisse ignoriert wurden oder nicht. Wenn ich behaupte, "Menschengruppe macht X 30 Mal pro Jahr", dann könnte ich genau das eingeben, dass eher Ergebnisse rauskommen, die genau diese Aussage bestätigen. Wenn die andere Person selbst googlet, wird sie eher "wie oft macht Menschengruppe X?" tippen.

 

 

Im Bezug zu Erfahrungsberichte oder zum "Lasst Betroffene erstmal aussprechen" habe ich auch gesagt bekommen, das man genau das nicht tun sollte, weil Betroffene die verzerrte Sichtweise hätten und nur Außenstehende objektiv über eine Sache urteilen könnten.

Hier wurde mir mal das Beispiel herangebracht, dass man keine Polizist-inn-en fragen kann, ob ihre Stadt besonders kriminell sei, weil sie sich täglich mit begangenen Straftaten beschäftigen, sodass es kein Wunder wäre, würden sie Ja antworten.

 

Vielleicht macht es in manchen Situationen Sinn, aber nicht beim Feminismus:

  1.  Menschen reden dann über ein Thema, das sie nicht kennen. Es ist sehr einfach, zu behaupten, ein Problem sei gar nicht so schlimm, wenn man damit nie ausgesetzt war. Beim Beispiel mit der Polizei interviewst du dann auch keine Leute, die keinen Plan von allem haben, sondern man schaut sich Studien an und vergleicht sie mit dem nationalen Durchschnitt.
  2. Oft schweigen Opfer eh schon und lassen alles in sich reinfressen. Indem man nur noch Leute reden lässt, die noch nie mit der Sache konfrontiert waren, unternimmt man also nicht gegen dieser Tatsache.
  3. Man beachte, dass Frauen in der Regel seltener zur Sprache kommen, sei es in Diskussionsrunden oder in der Politik / in den Medien. Wenn man sagt, alle dürfen über alles reden, werden am Ende immer Männer mehr über sowohl Männer- als auch Frauenthemen reden.
  4. Beim Thema Sexismus ist es unmöglich, "neutral" zu sein. Bist du ein Mann, redest du aus deiner Position als Mann (die eventuell durch Privilegien verzerrt ist; das ist genau das, was vergessen wird), bist du eine Frau, redest du aus deiner Position als Frau. Bist du dazwischen, kann man es auch nicht als neutral bezeichnen.

 

Weiterer Vorwurf: Das "Lasst Betroffene reden und hört ihnen zu" sei eine Art Autoritätsargument. "Nur weil sie davon betroffen sind, heißt es nicht, dass ICH nicht besser über ihren Alltag informiert sein kann, ansonsten wären sie ja immun gegen falsche Aussagen, weil ja kein Mensch ist".

 

Erstmal: Das Autoritätsargument ist eigentlich, wenn behauptet wird, eine Aussage sei wahr, weil sie eine Autorität ausgesprochen hat. Man muss unterscheiden (was viele nicht tun):

  1. Hat diese Autorität überhaupt etwas mit dem Thema zu tun? Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob ein-e Chemiker-in oder ein-e Psychologe/-in etwas über Psychologie aussagt. Der erste Fall wäre ein sehr schlechtes Argument, der zweite kommt auf 2. an.
  2. Habe ich Zeit / die Gelegenheit, mich mit dem Thema so auseinanderzusetzen, dass ich mich damit besser auskennen könnte als Fachleute? Ist es ein wichtiges Thema? Wenn nicht, dann ist es nicht ABSURD, auf sie zu hören, da wir auch nur Menschen sind und nicht alles wissen können!

 

Zurück zum Satz: 

Niemand behauptet, dass beispielsweise Vergewaltigungsopfer Vergewaltigungsspezialist-inn-en sind. Aber sie sind Spezialist-inn-en, wenn es um ihre Erfahrung und ihr Empfinden geht und darüber hat man einfach nicht zu debattieren.

"Blablabla, gesunder Diskurs, wenn man auf Kritik eingeht", NEIN. 

Sie wollen dich ernsthaft glauben lassen, du seist kritikunfähig, weil du ihnen nicht zuhörst.

 

"Problem" ist ja auch, wann man reden "darf". Natürlich nicht juristisch gesehen, aber halt, wann es legitim ist.

 

Im Skeptizismus wird eher gesagt, "du darfst reden, wenn du Beweise, logische Argumente und Quellen hast" (was ich auch für richtig halte), im Feminismus eher, "du bist davon betroffen, also erzähle uns von deinen Erfahrungen (wenn du möchtest)".

 

Natürlich heißt es nicht, zumindest vertrete ich diese Ansicht nicht, dass man über alles schweigen sollte, womit man nicht betroffen ist, aber es kommt auf die Umstände an und wie man es macht.

 

"Genau deswegen hasse ich Feminismus: Jeder Mensch ist gleich und deshalb ist jede Meinung gleich viel wert. Man ist kein besserer Mensch, nur weil man einer Minderheit angehört! Das wäre Diskriminierung."

"Aber die Person reduziert Männer auf ihr Geschlecht und man sollte ja niemanden auf sein Geschlecht reduzieren. Du würdest es auch verwerflich finden, wenn Männer durch (Gruppe, wo's standart ist, dass sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit diskreditiert wird / dass sie seltener zur Sprache kommt, weil Minderheit) ersetzt werden würden!"

 

Es hätte eher etwas mit Diskriminierung zu tun, würde man sagen, "Du bist jung/ungebildet/fett/hässlich/zu emotional/etc., deshalb höre ich dir nicht zu". Oder wenn aus Prinzip, einfach so, eine bestimmte Menschengruppe ihr Recht auf freie Meinungsäußerung entzogen bekäme. Das wäre aber nicht vergleichbar, da es sich um ein institutionelles Problem handeln würde und es keine logische Begründung gäbe. 

Sollte jemand sagen, dass sie jemanden nicht zuhören will, weil er ein Mann ist, impliziert sie etwas; nämlich: "Rede nicht über Dinge, wovon du keine Ahnung hast", "Rede nicht über Dinge, die dich nichts angehen" oder "Ihr habt bisher immer Redezeit gehabt, jetzt sind wir dran".

Man kann auch nicht einfach eine Menschengruppe durch eine andere ersetzen und dann sagen, dass man da anders reagieren würde. Dominanten Gruppen zu sagen, sie sollten sich ein bisschen mal zurückhalt, ist um einer Diskriminierung entgegen zu gehen. Bei einer unterdrückten Gruppe behält es den status quo.

 

Zur Behauptung, Mansplaining sei ein ad hominem:

Ein ad hominem ist, wenn man sagt, eine Behauptung sei falsch aufgrund der Person, die sie ausgesprochen hat. Es ist also ein persönlicher Angriff.

 

Mansplaining beschreibt das Phänomen, wenn ein Mann einer Frau etwas auf einer herablassenden, übermütigen und übervereinfachten Weise erklärt, weil er denkt, sie habe keine Ahnung. Besonders spannend ist es natürlich, a) wenn sie um keine Hilfe gebeten hat, b) das Thema sie, und zwar nur sie, betrifft. (Dass sich eine Frau genau so gegenüber einem Mann verhalten kann, ist zwar nicht unmöglich, jedoch Einzelfälle, weshalb es keinen Namen dafür gibt. Heißt aber nicht, dass es akzeptabel wäre.)

 

Ein Mansplainer hat nicht unbedingt Unrecht, er ist an erster Linie einfach nur respektlos und sexistisch. Primär wird darüber aufmerksam gemacht. Ist also kein ad hominem... Eventuell kann dazu auch noch impliziert werden, dass er Unrecht hat. Das ist aber keine wahllos ausgewählte Eigenschaft (genau so wie bei "du bist Chemiker-in, kein-e Psychologe/-in!" nicht wahllos eine Eigenschaft rausgepickt wurde), im Gegensatz zu: "Du irrst dich, weil du hässlich/dumm/wütend/etc. bist".

 

Mein letzter Punkt:

 

Diese "Skeptiker"-Community ist der Ansicht, Soziologie sei keine Wissenschaft.

 

 

(Ich weiß, dass diese Leute solche YouTuber wie DerDoktorant oder DVA und der ganze Rest schauen, weil sie's schon mal entweder in Kommentaren, in Kapiteln oder Beschreibungen schreiben. Auch wurde mir manchmal in meinen Kommentaren oder per Privatnachricht Videos von denen geschickt. DerDoktorant ist ebenfalls der Meinung, Soziologie sei nicht ernst zu nehmen:)

 

https://derdoktorant.wordpress.com/2016/06/29/die-recherche-toxic-masculinity/
https://derdoktorant.wordpress.com/2016/06/29/die-recherche-toxic-masculinity/

 

Habe ich bisher nicht gelesen, würde mich aber interessieren, ob Psychologie auch keine Wissenschaft ist, denn beide sind ähnlich: Du beobachtest das Verhalten von Menschen und stellst Thesen auf, die du dann versuchst, zu widerlegen.

      

Aber natürlich sind es Feminist-inn-en, die anti-science sind.

Wie soll man jetzt über Sexismus und LGBT-Feindlichkeit reden, wenn nicht über Soziologie? Ah ja, gar nicht. Das ist ja ihr Ziel.

 

Jedenfalls echt faszinierend, was sie sich alles zurechtbiegen, nur um sich nicht selbst reflektieren zu müssen.

Deshalb ist die wichtigste Frage immer, "bin ich ehrlich mit mir selbst und mit dem, was ich verteidige?"

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